Modul 2 · 90 Minuten · 5 Häppchen
Sicheres Prompten
Ein Prompt ist deine Anweisung an die KI. Gute Prompts sind kein Zauberspruch — sie sind handwerklich. Fünf Schritte, mehr nicht. Du wirst sie nach Modul 2 in jeder Konversation wiedererkennen.
1.Klares Anweisen
15 MinSchlechter Prompt: „Schreib mir was über Selbstreflexion."
Besserer Prompt: „Schreib mir drei kurze Absätze über Selbstreflexion in der Suchtreha. Zielgruppe: andere Patienten in der Klinik. Ton: ruhig, nicht belehrend. Keine Heilversprechen."
Was war anders? Vier Dinge: Format (drei Absätze), Zielgruppe (Mitpatient:innen), Ton (ruhig), Grenze (keine Heilversprechen). Die KI rät immer noch das wahrscheinlichste nächste Wort — aber jetzt rät sie in einem viel schmaleren Korridor.
Reflexion
Schreib einen Prompt, den du heute schon einmal gestellt hast (oder gerne stellen würdest). Erweitere ihn um Format, Zielgruppe, Ton. Was ändert sich am Ergebnis?
2.Kontext geben
20 MinKI weiß nichts über dich, deinen Tag, deine Klinik, dein Anliegen — außer was du im Chat schreibst. Kontext ist das, was du der KI mitgibst, damit sie nicht aus dem Vakuum rät.
Beispiel: Du willst einen Brief an die DRV (Deutsche Rentenversicherung) schreiben. Statt „Schreib mir einen Brief an die DRV" füg den Kontext hinzu:
- Worum geht's? (z. B. Verlängerung der Reha)
- Welche Frist hast du? (Datum)
- Was ist dein Stand? (Bezugsdaten, Sachstand)
- Was hast du schon versucht? (frühere Briefe, Telefonate)
- Wer ist dein:e Bezugsperson dort? (Name, Aktenzeichen)
Wichtig: Aktenzeichen, Klarnamen, Geburtsdaten — wenn du sie nicht eingeben willst, ersetz sie durch Platzhalter. „Aktenzeichen XXX, Geburtsdatum TT.MM.JJJJ". Du fügst sie nachher selber ein. Das ist Modul 4 vorgegriffen, aber wichtig schon hier.
Reflexion
Welcher Brief liegt bei dir gerade rum? Sammle die fünf Punkte oben. Du musst noch nichts losschicken — nur das Sammeln üben.
3.Beispiele zeigen (few-shot)
20 MinWenn du der KI ein paar Beispiele zeigst, wie etwas aussehen soll, wird die Antwort drastisch besser. Forschung nennt das „few-shot prompting". Klingt fancy, ist simpel.
Du willst einen Lebenslauf-Eintrag formulieren. Zeig vorher zwei, die du gut findest:
Hier sind zwei Lebenslauf-Einträge im Stil, den ich mag: → "2018–2022 · Lagerist bei Schmidt GmbH · Verantwortung: Wareneingang, Bestandsführung, Übergabe an Spedition. Eigene Kalibrierung der Inventur-Prozesse." → "2014–2017 · Mitarbeit Familienbetrieb · Reparaturen, Kundengespräche, Materialeinkauf. Praktisches Lernen ohne formale Ausbildung." Schreib jetzt im selben Stil: 2022–2024 · Sortier-Tätigkeit bei [Firma] · [Aufgaben sammeln, dann formulieren]
Drei Beispiele reichen meist. Bei sehr ungewöhnlichen Stilen mehr. Der Trick ist nicht das Beispiel, sondern dass du der KI zeigst, was du als gut betrachtest.
Reflexion
Welcher Stil von Schreiben gefällt dir aus deiner eigenen Vergangenheit? Eine alte E-Mail, ein alter Antrag. Wenn du einen findest, hast du ein Beispiel, das du der KI mitgeben kannst.
4.Iterieren statt Erwarten
20 MinDer häufigste Fehler: du erwartest, dass der erste Versuch passt. KI ist kein Orakel — sie ist ein Werkzeug. Du iterierst.
Drei nützliche Iterations-Befehle:
- „Mach es kürzer" — die KI tendiert zur Geschwätzigkeit. Eine Zeile reicht oft.
- „Schreib das mit weniger Fremdwörtern" — sehr nützlich, wenn die KI in juristisches Deutsch verfällt.
- „Was hat in deiner Antwort möglicherweise nicht gestimmt?" — die KI prüft sich. Klappt nicht immer, aber überraschend oft.
Auch produktiv: einfach „nochmal". Die zweite Antwort ist oft anders gut als die erste — du wählst, was passt.
Reflexion
Bei deiner letzten KI-Konversation: hast du iteriert, oder die erste Antwort genommen? Wenn du iteriert hast — wann hast du gestoppt? Hast du gemerkt, ob du gestoppt hast, weil's gut genug war, oder weil du genervt warst?
5.Selbst-Prüfen
15 MinBevor du eine KI-Antwort weiterverwendest — Brief abschicken, Information weitergeben, Entscheidung treffen — eine Minute prüfen. Drei Fragen:
- Stimmt es? Bei Fakten: nachschauen. Bei deinen eigenen Gefühlen: bist du selbst es, was da steht?
- Ist das mein Stil? Wenn du es laut vorliest, klingt es wie du? Oder klingt es wie eine KI?
- Würde ich das in einem Jahr noch unterschreiben? Bei wichtigen Texten: würdest du das, was du gerade abschickst, auch in zwölf Monaten noch vertreten?
Wenn drei Mal ja: weitergeben. Wenn nicht: noch eine Iteration. Wenn nach drei Iterationen immer noch nicht: vielleicht ist dieser Brief noch nicht reif, und das ist okay.
Reflexion
Welcher der drei Punkte ist für dich am schwersten? Wenn dir die Selbst-Prüfung schwerfällt: das ist nicht ein KI-Problem, das ist ein Vertrauen-in-sich-Problem. Da kann der Spiegel-Modus (/reflect) helfen, mehr als ein neuer Prompt.
Zum Mitnehmen aus Modul 2
- Klar anweisen: Format, Zielgruppe, Ton, Grenze
- Kontext geben — was die KI sonst nicht weiß
- Beispiele zeigen, wie etwas aussehen soll
- Iterieren statt Erwarten
- Selbst-Prüfen vor Weitergabe
Quellen-Rückgrat: Google Prompting Essentials, Anthropic Prompting-Guide, KI-Campus AITI-Modul 3. Eigener Inhalt unter CC BY-SA 4.0.