Modul 4 · 60 Minuten · 5 Häppchen
Datenschutz im Privatgebrauch
Was du in eine KI tippst, kann beim Anbieter landen — je nach Einstellung, je nach Plan, je nach Land. Modul 4 zeigt dir, was du nie eingeben solltest, was lokale Modelle leisten, und wie du die Datenschutz-Einstellungen findest.
1.Was du nie eingeben solltest
12 MinDaumenregel: Was würdest du auf eine Postkarte schreiben, die jeder lesen darf? Tippe in eine KI nur das, was diesen Test besteht.
Konkret nie eingeben:
- Klarnamen anderer Personen (auch deine eigenen ungern)
- Geburtsdaten
- Aktenzeichen, Versichertennummern, Bürgergeld-Nummern
- Diagnose-Codes (ICD-10, F10.2 etc.)
- Adressen
- Kontonummern, IBAN, Kreditkartennummern
- Passwörter
- Sensible Familienverhältnisse, juristische Sachverhalte mit Personenbezug
Selbst wenn der Anbieter alles löscht — was einmal geschickt wurde, war auf einem fremden Server. Bei Sicherheitsvorfällen kann es irgendwann doch auftauchen. Datenschutz ist Risikomanagement, nicht Paranoia.
Trick: Platzhalter benutzen. Statt "Aktenzeichen 123/45/678" schreib "Aktenzeichen XXX". Die KI antwortet trotzdem sinnvoll, du fügst die echte Nummer nachträglich selber ein.
Reflexion
Welche der oben genannten Daten hast du in den letzten Monaten schon mal in eine KI getippt? Beim nächsten Mal: Platzhalter verwenden — was ändert sich für dich gefühlsmäßig?
2.Wie KI deine Eingaben verwendet
12 MinEs gibt drei wichtige Dimensionen:
- Speicherung der Konversation: Eingeloggt werden Konversationen meist gespeichert (für deine eigene Historie). Inkognito-Mode löscht sofort.
- Training auf deinen Daten: ChatGPT-Free trainiert standardmäßig auf deinen Eingaben — opt-out in den Einstellungen möglich. Claude (Anthropic) trainiert per Default NICHT auf deinen Eingaben. Bei API-Aufrufen (z. B. die, Lenkstern macht) wird auch nicht trainiert.
- Anbieter-Mitarbeiter-Zugriff: Bei Missbrauchsverdacht können Mitarbeiter Konversationen einsehen. Das gilt für ChatGPT, Claude, Gemini gleichermaßen. Selten, aber möglich.
Implikation: Bei sensiblen Themen Claude-Default oder Inkognito. Wenn du es ganz lokal willst: Häppchen 3 — Ollama oder LM Studio.
Reflexion
Welche der KI-Tools hast du bisher genutzt? Schau gleich in die Einstellungen: ist Trainings-Opt-Out gesetzt? Falls nein: setz es jetzt.
3.Lokale Modelle als Alternative
12 MinOllama (kostenlos, Mac/Linux/Windows) und LM Studio (kostenlos, mit grafischer Oberfläche) laden Sprachmodelle direkt auf deinen Computer. Die Modelle laufen offline. Eingaben verlassen dein Gerät nie.
Was es kostet: Speicherplatz (4–40 GB pro Modell), etwas Arbeitsspeicher (8 GB für kleine Modelle, 16+ GB für gute), Zeit beim ersten Download. Nichts Geld.
Was es kann: Llama 3.2 (3 GB) oder Mistral 7B (4 GB) sind für Schreiben, Übersetzen, einfache Zusammenfassungen erstaunlich gut. Nicht so gut wie Claude oder GPT-4 — aber für Briefe ans Sozialamt reicht es bei weitem.
Praxis: ollama run llama3.2 in Mac-Terminal — fertig. Bei LM Studio: GUI-App installieren, Modell aus Liste wählen, chatten. Beides funktioniert ohne Internetverbindung nach dem ersten Download.
Reflexion
Würdest du dich trauen, ein Modell lokal zu installieren? Was wäre der erste Anwendungsfall für dich, bei dem du wirklich froh wärst, dass keine Daten online gehen?
4.Inkognito vs Account-Login
12 MinBeide großen Anbieter (Claude, ChatGPT) haben einen Inkognito-Mode oder eine vergleichbare Funktion:
- Claude:claude.ai → in der Konversation oben rechts → Privacy → "Use temporary chats" oder Tasten- kombination Cmd/Ctrl+Shift+T. Konversation wird nach dem Schließen gelöscht.
- ChatGPT: chat.openai.com → bei neuer Konversation das Inkognito-Symbol (durchgestrichene Brille) wählen. Wird nicht in History gespeichert.
Faustregel: bei sensiblen Themen Inkognito. Bei harmlosen Brainstorms eingeloggt — du willst die Konversation später nochmal ansehen können.
Reflexion
Welche deiner letzten zehn KI-Konversationen hätten Inkognito sein sollen? Was war jedesmal der Inhalt, der dich heute zögern lässt?
5.Datenschutz-Einstellungen finden
12 MinMach dir einmal die Mühe, in jedem KI-Tool, das du nutzt, die Datenschutz-Einstellungen anzusehen:
- ChatGPT: Settings → Data Controls → Improve the model for everyone deaktivieren. Memory ggf. ausschalten.
- Claude: Profil → Privacy. Default ist datenschutz- freundlich. Memory-Funktion (falls aktiviert) opt-in.
- Gemini (Google):myactivity.google.com → Web & App Activity → Gemini-Apps-Activity ausschalten oder Auto-Löschung 3 Monate.
- Microsoft Copilot: Konto-Einstellungen → Privacy → Konversations-Speicherung deaktivieren.
Mach das einmal pro Quartal neu — Anbieter ändern Defaults gerne ohne Ankündigung. Optional: Screenshot der gesetzten Einstellungen aufheben, falls du dich später erinnern willst.
Reflexion
Mach jetzt diesen Schritt. Welche Einstellung hat dich am meisten überrascht? Welche fühlt sich richtig an?
Zum Mitnehmen aus Modul 4
- Postkarten-Test: nur eingeben, was öffentlich sein dürfte
- Platzhalter benutzen, echte Daten nachträglich einfügen
- Trainings-Opt-Out aktiv setzen
- Lokale Modelle (Ollama, LM Studio) für sensible Themen
- Inkognito-Mode kennen und nutzen
- Quartalsweise Einstellungen prüfen
Quellen-Rückgrat: ChatGPT-Doku, Anthropic-Privacy-Center, Bundesnetzagentur 2025/26 Leitfaden "KI-Nutzung im Alltag". Eigener Inhalt CC BY-SA 4.0.